Fauna ist eine weiße Brieftaube, geboren auf Teneriffa und lebte mit
unzähligen Artgenossen in einem Pappkarton auf dem Markt von Santa Cruz,
wo wir sie herausgekauft haben. Ganz behutsam wurde sie an die menschliche
Hand gewöhnt, die ihr Maiskörner und andere leckere Körner anbot.
Immer bevor es Futter gab, ertönte ein kleiner Pfiff.
Unter viel Pflege und liebevoller Aufmerksamkeit fasste sie zu Moni schnell
Vertrauen und es dauerte gar nicht lange, da folgte sie ihr überall hin.
Fauna liebte es, an Deck spazieren zu gehen oder saß vor ihrem Taubenhäuschen
unter der Sprayhood und beobachtete das rege Treiben an Bord. Immer neugierig flog
sie auch unter Deck und setzte sich auf die Rückbank in der Messe. Von dort
hatte man einen prima Überblick, dachte sie sich. Die Freude währte aber
nicht lange. Wenn das Wetter es zulies, wurde sie rausgesetzt. Eine Taube ist
schließlich nicht stubenrein und es gab genug anderes zu tun. Gern lies sie sich
an Deck auf Monis Schulter umhertragen und genoss die Aufmerksamkeit und die kleinen
Leckerhappen.
Unsere Segelreise ging 2006 nach Jamaika. Eine stabile Passatbrise trug uns gut voran und
Fauna genoss den Wind und das Meer. Sie staunte nicht schlecht - wir hatten oft Besuch
von kleinen Vögeln, die über den Atlantik flogen und sich während der Nacht neben
Fauna auf der Reeling niederließen. Wir fütterten also gleich eine nette
Anzahl Vögel auf unserer Fahrt mit. Aber sobald wir in Landnähe waren, verließen
sie uns wieder.
Am Black River auf Jamaika begrüßten uns einige Soldaten mit Maschinengewehren
und sahen ziemlich grimmig aus. Fauna erschreckte sich und flog davon. Ausgerechnet jetzt.
Sie saß auf dem Dach eines Hauses und quittierte mein Pfeiffen und Rufen mit Schweigen.
Erst am nächsten Tag sah ich sie wieder. Ein karibischer Täuberich gurrte sie an
und sie vergaß, dass sie Hunger hatte. Das ganze Dorf hatte sich schon versammelt und
beobachtete die kleine blonde Frau, die ihr Täubchen vom Dach zu locken versuchte.
Nichts half - also doch selbst hochkraxeln. Unter Beifall und karibischem Lamento konnte Moni
nach der verdutzten Taube greifen und sie wohlbehalten vom Dach befreien.
Fauna begleitete uns auf dieser Reise 6 Monate lang, erntete überall Erstaunen, oder
eigentlich auch nicht. - Eine weiße Frau und ihre weiße Taube - das passt!
Moni hat einfach erklärt, es handelt sich um DIE Friedenstaube! Wir erfuhren sehr viel
Gastfreundschaft.
Auf der Rückreise durch die Westward-Passage änderte sich das Wetter. An einem
Sonntag bei Windstärke 9 mit richtiger Richtung verlies uns Fauna. Einen Tag, bevor
uns der Ausläufer des ersten Hurricans der Saison erwischte. Sie hatte es gewußt.
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