Eulalia ist eine Karettschildkröte (Caretta caretta) und gehört zu den stark
bedrohten Tierarten.
Sie steht auf der Roten Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens.
Es war ein sehr bedeckter Tag und wir hatten einigen Seegang auf dem Weg von Menorca
zurück nach Mallorca. In der Höhe von Porto Cristo trieb irgendein Unrat auf der
Wasseroberfläche. Wir segelten dicht vorbei und sahen einen zerfetzten Bausack und
verschiedene Stricke beim Vorbeifahren. Irgendetwas hatte sich dort verfangen und trieb
an der Wasseroberfläche. Wir wendeten, um das genauer zu betrachten und entdeckten
eine Meeresschildkröte, die völlig gefesselt in dem Abfall trieb. Sie lebte noch.
Mit dem Enterhaken zogen wir das ganze Bündel dicht und hoben es mit der Schildkröte an
Bord der Cour de mer. Beide Vorderflossen waren schwer verletzt. Die Stricke hatten sich bei
ihrem Befreiungsversuch offenbar immer fester gezogen und die vorderen Extremitäten bis
auf den Knochen abgebunden. Vermutlich dauerte ihre Qual schon mehrere Tage.
Sehr vorsichtig entfernten wir die Stricke und spülten die Wunden mit Süßwasser.
Sie war völlig erschöpft. Die erste Zeit blieb sie in der Plicht, bekam Muscheln,
Einsiedlerkrebse und Quallen zu fressen. Eulalia hat bereits am 2. Tag gefressen, zu unserer
großen Erleichterung. Es ist bekannt, dass die Aufzucht und Haltung speziell von Karett
schildkröten in Gefangenschaft in Meerwasseraquarien gescheitert ist. Also verwarfen wir
den Gedanken, sie in ein Aquarium zu geben. Unser Ziel war es, sie gesund zu pflegen und wieder
auszuwildern, wenn sie sich erholt hat.
Als ihre Wunden heilten, bekam sie ihr Meerwasserschwimmbassin und fühlte sich sichtlich
wohl. Eulalia fraß aus der Hand und war ein Crewmitglied auf Zeit geworden. Der Schiffkater
strich neugierig an ihr vorüber, interessierte sich sehr für die lebende Nahrung, die
sie bekam. Der Adler Wamblee flog oft zu ihr, um sie genau zu betrachten. Alle respektierten sich.
Zur Mittagszeit saßen sie oft gemeinsam in der Plicht und machten ein gemeinsames Nickerchen.
Nach einigen Monaten schließlich war sie kräftig genug geworden, ihre Wunden verheilt
und wir fuhren aufs Meer
hinaus. Es war ein schöner sonniger Tag, an dem wir ihr die Freiheit zurückgaben.
Wir sahen ihr nach, wie sie davon schwamm und wünschen ihr ein langes und gesundes Leben!
Nachtrag:
Es kommt leider immer wieder vor, dass sich Meeresschildkröten in Fischernetzen
verfangen und einen qualvollen Tod erleiden. Wir haben auf unseren Reisen viel Treibgut und Müll
gesehen, selbst auf dem offenen Meer. Der Zivilisationsmüll, an dem die Tiere verenden,
ist fast schon überall. Auf diesem Wege möchte ich anregen, darüber nachzudenken, ob wir
Menschen unseren Abfall nicht besser an Land entsorgen sollten und ihn nicht achtlos ins Meer zu werfen.
Er verschmutzt unsere Meere und gefährdet Fauna und Flora, auch wenn es "nur" die täglichen
Abfalltüten bei einer Überfahrt sind.
Weitaus schlimmer noch geht die Industrie mit unseren Meeren um. Sie leitet tagtäglich Chemikalien,
Müll und Öl ins Meer, als sei es damit verschwunden (???), weil es nicht gleich sichtbar wird.
Ebenso die Ölförderindustrie, die bei den bekannten Havarien hilflos
zusehen mußte, wie jeden Tag Millionen von Litern Rohöl ins Meer flossen, ohne sich
VORHER darüber Gedanken zu machen. Bohrungen im tiefen Wasser sollten grundsätzlich verboten werden.
Ebenso sollte die Gewinnung von Methanhydrat aus der Tiefsee unterbleiben, um die Kontinentalhänge
nicht zu destabilisieren und um die Atmosphäre vor dem austretenden CO2 zu schützen.
Die Lebewesen in unseren Weltmeeren leiden zudem unter dem zunehmenden Lärm durch die
Großschifffahrt und Testversuche mit Sonar aus Gründen der militärischen
Überwachung.
Für mich persönlich ist dies alles ein Verbrechen an der Natur und an den zukünftigen Generationen.
Solange Profit vor der Liebe zur Natur geht, wird sich nichts ändern.
Wir haben nur diese eine Erde.
Sie ist ein lebendiger Organismus.
Helfen Sie sie zu schützen !
Moni
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