Didi kam am 25.04.1907 an Bord der Cour de mer. Es war herrlicher Sonnenschein und wir
beschlossen an diesem Tag einen Ausflug zum Markt in Sineu zu machen. Während
wir gerade mitten im Gedränge standen, kamen plötzlich zwei kleine Mädchen
direkt auf Fidi zugestürzt und drückten ihm ein kleines Kätzchen in den Arm
mit den Worten: Pass gut auf sie auf! - und waren verschwunden. Wir nannten sie Didi.
Didi war abgemagert bis auf die Knochen und hatte jede Menge Flöhe. Mit viel Liebe, verkleppertem
Ei, Vitaminen und Medikamenten erholte sie sich rasch. Meistens schlief sie bei mir im Bett
und kuschelte sich dicht an mich ran. Wir waren bald die besten Freunde. Eines ihrer Lieblingsspiele
war Bootfahren. Sie nahm Anlauf und sprang in einen größeren Schuhkarton, der dann polternd
über das Teak rutschte. Wenn das Spiel sie erschöpft hatte, schlief sie einfach
darin ein. Aber am liebsten spielte sie mit allem, was rollte. Davon gibt es ja auf einem
Schiff eine ganze Menge. Sie brachte einfach alles ins Rollen, erkundete jedes Regal, jede Schot.
Nichts war vor ihr sicher.
Nur Beibootfahren mochte sie nicht sonderlich. Es schwankte ihr zu sehr. Eines Tages konnte
sie es offenbar nicht abwarten, wieder zurück aufs Schiff zu kommen und sprang daneben.
Sie war beim Fischen schon oft über Bord gefallen, kam aber jedesmal über die Katzenleiter
gleich wieder hoch. Diesmal sahen wir zunächst nichts. Aber dann - sie war tatächlich unter dem
Kiel des Schiffes durchgetaucht und schwamm zur Leiter. Wir hatten noch nie eine Katze
tauchen sehen. Das war unglaublich. Wir waren richtig stolz auf Didi und machten uns ein Festmahl, für
Didi natürlich auch.
Monate später segelten wir nach Andalusien und lagen in einem Hafen mit einer Befestigungsmauer
aus Steinen. Didi ging von Bord und blieb mehrere Tage verschwunden. Ich folgte dem kläglichen Miauen
und fand sie gut bewacht von mehreren Katern in der Steinmauer. Also befreite ich sie und nahm sie
wieder mit an Bord. In der kurzen Zeit war sie dünn geworden und - furchtbar müde, aber
sichtlich froh, wieder bei uns zu sein. In den kommenden Wochen wuchs ihr kleiner Bauch und wir warteten alle gespannt auf ihren Nachwuchs.
Am 10. Mai 1908 gebar sie 3 kleine Katzen. Zwei Schwestern und ein Katerchen, den wir auf den Namen Schmalimax
tauften. Die kleine Familie lebte die ersten acht Wochen am Fußende in meinem Bett.
Didi war eine fürsorgliche Mutter, leckte die Kleinen sauber, bevor sie das Bett beschmutzten
und kümmerte sich rührend um sie. Mit sechs Wochen öffneten die jungen Katzen die Augen und
es dauerte gar nicht lange, da war der Katzenkindergarten im ganzen Schiff unterwegs.
Wir gaben der süßen Familie ausreichend Zeit, bevor die beiden Schwestern auf einem
schönen Grundstück bei freundlichen Menschen ein neues Zuhause fanden. Nun waren nur noch Didi und ihr kleiner
Sohn an Bord. Mit zunehmendem Alter setzte sich der Kater immer mehr durch, so dass Didi eines
Tages beschloss, ein verwunschenes und verlassenes Gartengrundstück zu besetzen, wo sie bis
heute lebt. Ich vermisse sie manchmal, unsere Versteckspiele und ihr ganz besonderes Katzen-Wesen.
Ich weiss aber auch, dass es ihr gut geht und dass sie sich jetzt viel wohler an Land fühlt.
Sie hat bereits die nächste Familie gegründet. Herzlichen Glückwunsch!
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